Liebe Besucherinnen und Besucher,

als gebürtiger Egerländer und Spitzenfunktionär eines Vertriebenenverbandes werde ich immer wieder danach gefragt, für welche verbandspolitischen Ziele und Anliegen ich mich eigentlich einsetze und wie ich damit auch in Zukunft bestehen könne.

Meine Antwort darauf kann nicht aus einigen Schlagworten und allgemeinen Floskeln bestehen, denn dafür sind unsere Aufgaben viel zu umfangreich. Unseren Tätigkeitsbereich jetzt und in Zukunft beschreibe ich vielmehr bildlich mit drei Standbeinen: Das eine steht für unsere Aktivitäten wider das Vergessen und das Wissen um die geschichtliche Wahrheit. Das andere Bein beinhaltet die gelebte Erinnerungskultur in Bezug auf Tradition, heimatliches Brauchtum und deren zielgerichtete Fortentwicklung vor allem bei der jüngeren Generation und das dritte Standbein unseres Einsatzes bezieht sich schließlich zu einer intensiven, auf Dialog mit den östlichen Nachbarstaaten aufgebaute Verständigungspolitik mit Blickrichtung zu gutnachbarschaftlichen Beziehungen und echter und dauerhafter Versöhnung in der europäischen Wertegemeinschaft.

Im hessischen Beirat für Vertriebenen-, Flüchtlings- und Spätaussiedlerfragen bringen wir gerne unseren Sachverstand bei der Hessischen Landesregierung ein und nehmen dabei die "Brückenfunktion" der Hessischen Landesbeauftragten für Heimatvertriebene und Spätaussiedler als besonders hilfreich in Anspruch. Durch eigene Mitarbeiter in unserer Landesgeschäftsstelle beraten und betreuen wir die Zuwanderer (Ausländer und Spätaussiedler) in unserem Land und werden insoweit auch anerkannt.

Vor knapp einem Jahr hatte die Bundesregierung beschlossen, den 20. Juni zum nationalen Gedenktag für Vertriebene zu machen - und diesen an den Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen zu koppeln. Seit dem Jahre 2014 haben die Landesregierungen in Bayern, Hessen und Sachsen regionale Gedenktage für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation eingeführt. Nach Angaben der hessischen Landesregierung soll dieser Tag jedes Jahr am 2. Sonntag im September in würdiger Weise zusammen mit den Heimatvertriebenen, Aussiedlern und Spätaussiedlern in Hessen gemeinsam begangen werden. Dieser Gedenktag soll die Erinnerung an diese Ereignisse für künftige Generationen lebendig halten und zu Verantwortung und Versöhnung mahnen.

Der Umgang mit der Erinnerung an die Vertreibung aus den ehemaligen deutschen Siedlungsgebieten in Ost- und Südosteuropa hatte in der Öffentlichkeit lange für emotionale Debatten gesorgt. Der Bund der Vertriebenen forderte jahrelang einen eigenen Gedenktag. Er vertritt die Interessen von 14 Millionen im Zweiten Weltkrieg vertriebener Menschen und ihrer Nachkommen.

Mit freundlichen Grüßen
Siegbert Ortmann