Ministerpräsident Roland Koch spricht sich für "Zentrum gegen Vertreibungen" in Berlin aus

Die Neujahrsgespräche zwischen dem Hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch und den Vertriebenenverbände in Hessen sind inzwischen schon zur Tradition geworden. Der Ministerpräsident empfing Vertreter dieser Verbände in seiner Dienstvilla in Wiesbaden. Er hatte wieder ein offenes Ohr für die Belange der Vertriebenen. An dem offenen und fruchtbaren Gedankenaustausch nahmen auch die Hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger und der Staatssekretär im Hessischen Kultusministerium Joachim Jacobi sowie der Landesbeauftragte der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler Rudolf Friedrich teil.

Schwerpunktthemen waren das Thema "Vertreibung" in den Lehrplänen und Schulbüchern in Hessen, die Integration der Spätaussiedler, die Kulturarbeit nach 96 des Bundesvertriebenengesetzes und die grenzüberschreitenden Aktivitäten der Vertriebenenverbände.

In seiner Ansprache dankte Ministerpräsident Koch den Vertretern der Vertriebenenverbände für ihr vielfältiges Engagement, insbesondere bei der Eingliederung der Spätaussiedler. Die ehrenamtlichen Integrationshilfen des Bundes der Vertriebenen und der Landsmannschaften seien ein wichtiger Teil der Bemühungen für eine schnelle und gelungene Integration der Spätaussiedler.

Zum Thema "Flucht und Vertreibung" in den Lehrplänen bemerkte Staatssekretär Jacobi, dass gerade eine Informationsbroschüre für Lehrerinnen und Lehrer erarbeitet werde, an deren Erstellung Vertreter der Heimatvertriebenen beteiligt seien. Sozialministerin Silke Lautenschläger schlug vor, Menschen, die die Vertreibung erlebt hätten, die Möglichkeit zu geben über ihr Schicksal in den Schulen zu berichten.

Der Ministerpräsident begrüßte die grenzüberschreitenden Aktivitäten, die hauptsächlich von Deutsch-Europäischen Bildungswerk getragen werden. Darin sah er einen guten Weg zur Verständigung mit den östlichen Nachbarn. Weiter sei die Mitarbeit der Landsmannschaft Weichsel-Warthe im Rahmen der Partnerschaft des Landes Hessen mit der Wojewodschaft Wielkopolska erwünscht. Diese Partnerschaft müsse über rein wirtschaftliche Interessen hinausgehen.

Die Vertreter der Vertriebenenverbände wiesen ausdrücklich auf die Probleme hin, die nach Streichung der Mittel für den Garantiefonds durch die Bundesregierung entstehen. Dadurch seien Integrationsprojekte im schulischen und außerschulischen Bereich gefährdet.

Ein weiteres Thema war auch das geplante Zentrum gegen Vertreibungen in Berlin. Roland Koch sprach sich dafür aus, dieses Zentrum in Berlin zu schaffen. Er wandte sich entschieden gegen Einmischungen aus dem Ausland. Es wäre ein schwerer Fehler wegen des Widerstandes aus dem Ausland auf das Zentrum gegen Vertreibungen in Berlin zu verzichten. Die Vertreibung nannte er als einen Teil der deutschen Geschichte. Die nationale Identität dürfe nicht aufgegeben werden.

Die Aufarbeitung der Geschichte habe mit Revanchismus nichts zu tun.

Der Hessische Ministerpräsident bemerkte abschließend, er wolle die gute Zusammenarbeit mit den Vertriebenenverbänden fortsetzen. Weiter lobte er Rudolf Friedrich für seine Arbeit als Landesbeauftragter für Heimatvertriebene und Spätaussiedler.

Der Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen in Hessen, Alfred Herold, überbrachte im Namen der Anwesenden den Dank für die gewährte ideelle und finanzielle Unterstützung.
Gleichzeitig hob er auf die gute Zusammenarbeit mit der Hessischen Sozialministerin Silke Lautenschläger und Rudolf Friedrich hervor.

Herold dankte weiter dem Hessischen Ministerpräsidenten für seine klare Aussage zum Zentrum gegen Vertreibungen. Er bedauerte den Widerstand, der diesem Projekt von östlicher Seite entgegengesetzt werde. Auf der Ebene von Mensch zu Mensch sei die Verständigung mit den östlichen Nachbarn schon weit fortgeschritten.

Nur die politische Ebene lehne Gespräche mit Vertretern der Vertriebenen ab.

Zum Abschluss des Gesprächs zeigte sich Landesbeauftragter Rudolf Friedrich erfreut über die gute Zusammenarbeit zwischen der Hessischen Landesregierung und dem Bund der Vertriebenen sowie den Landsmannschaften. "Mit den gemeinsamen Anstrengungen und den vielfältigen ehrenamtlichen Aktivitäten können wir bei der Integration der Spätaussiedler und der zukunftsweisenden Kulturarbeit der Heimatvertriebenen weiter viel bewegen", so Friedrich.

Adolf Wolf