Das Unrecht der Vertreibung muss anerkannt werden

Tagung des heimatvertriebenen Landvolks in Heppenheim

Es ist schon zur Tradition geworden, dass sich der Kreisverband Bergstraße des Bundes der Vertriebenen (BdV) mit dem Tag der Vertriebenen an der Landwirtschaftlichen Woche Südhessen beteiligt.

In diesem Jahr sprach der Präsident des Bauernverbandes der Vertriebenen, Christian Walter, im Schlossberg-Hotel in Heppenheim zu dem Thema Rückblick- Ausblick für die heimatvertriebenen Landwirte.

Die Vorsitzende des BdV-Kreisverbandes Bergstraße, Rosel Koberg, begrüßte die Teilnehmer, die aus ganz Hessen nach Heppenheim gekommen waren.

Ihr besonderer Gruß galt dem Präsidenten des Bauernverbandes der Vertriebenen, Christian Walter, Landvolkobmann Otto Klösel und Heiner Wieder vom Bauernverband Südhessen.

In seinem Grußwort lobte Heiner Wieder die gute Zusammenarbeit mit dem Bund der Vertriebenen.

Landvolkobmann Otto Klösel rügte die in manchen Medien diskriminierende Berichterstattung über die Heimatvertriebenen. Die falsche Darstellung würde auch vom Ausland übernommen. Er stellte ganz klar heraus, dass die Vertriebenen nicht aus freiem Willen ihre Heimat verlassen hätten, sondern sie seien gewaltsam vertrieben worden.Besonders hart traf es die Bauern, die mit ihrer "Scholle" ganz eng verbunden waren, fuhr Klösel fort. Viele von ihnen konnten nach der Vertreibung keinen Hof übernehmen, sondern sie mussten eine berufsfremde Tätigkeit ausüben.
Der Landvolkobmann bezeichnete die Vertreibung als einen Verstoß gegen die Menschenrechte sowie als Völkermord.

In seinem Referat blickte der Präsident des Bauernverbandes der Vertriebenen zurück in die Zeit vor 60 Jahren. 15 Millionen Deutsche seien aus ihrer Heimat vertrieben und ihres Eigentums beraubt worden. Auch habe sich nach Ende des Zweiten Weltkriegs das Morden in den Heimatgebieten der Vertriebenen fortgesetzt.
Er erinnerte auf das Massaker an Deutschen auf der Brücke von Aussig sowie an den Brünner Todesmarsch.

Auch Christian Walter nannte die Vertreibung verbunden mit dem Raub des Eigentums das schlimmste Verbrechen. Besonders betroffen waren die Bauern. Für den Bauern sei der Begriff Heimat nicht mit dem Wohnort gleichzusetzen. Bei Bauern bestehe eine tiefe Verwurzelung mit dem Boden, den Generationen bewirtschaftet hätten. Mit der Vertreibung und entschädigungslosen Enteignung wurden die Bauern ihrer Wurzeln beraubt. Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten sie bis zur Vertreibung als Knechte auf ihrem eigenen Hof arbeiten. Viele hätten den Verlust der bäuerlichen Existenz nicht verkraften können.

Große Enttäuschung herrsche über die Haltung der Bundesregierung zur offenen Vermögensfrage. Walter wies auf die Obhutspflicht hin. Der Präsident des Bauernverbandes der Vertriebenen forderte die Politik auf, durch sachliche Verhandlungen eine Heilung des Vertreibungsunrechts herbeizuführen. Als Beispiel führte er die Verhandlungen Italiens mit Kroatien in dieser Frage an. Die Vertriebenen wollten Gerechtigkeit und Frieden. Mit der Regelung der offenen Vermögensfrage solle aber kein neues Unrecht geschaffen werden.

Wie sich aus der Diskussion ergab, wollte niemand mehr unter den jetzigen Verhältnissen in die Heimat zurück. Es ging um das verletzte Rechtsempfinden.
Die Vertriebenen dürften nicht Opfer zweiter Klasse sein. Mit der ungarischen Lösung könne man sich anfreunden. Ungarn hatte von jeglicher Vermögensrückgabe abgesehen und den Ungarndeutschen eine symbolische Entschädigung in Form von Entschädigungsscheinen gewährt.

Adolf Wolf