Schüleraustausch zwischen Deutschland und Polen funktioniert gut

Die Häuser in der Bergbaustadt Waldenburg (Walbrzych) sind überwiegend grau. Seit der Wende in Polen scheint sich hier nicht viel getan zu haben. Die Stilllegung von drei der vier Kohlengruben hat große Auswirkungen auf die Stadt.

Ein Backsteinbau aus der wilhelminischen Zeit, das Lyzeum Nr. 2, lässt an bessere Zeiten erinnern. Die dunklen, erdrückenden Gänge im Schulgebäude rufen Erziehungsmethoden der damaligen Zeit, als das Lyzeum noch eine preußische Schule war, wieder ins Gedächtnis. An einer Wand hängen die Bilder der Direktoren des Lyzeums. Herren mit kunstvoll gedrehten Schnurrbärten blicken streng herab. Heute ist das Lyzeum eine polnische Schule.

Auf dem Seminarprogramm des Deutsch-Europäischen Bildungswerks, Wiesbaden (Bildungseinrichtung des Landesverbandes Hessen des Bundes der Vertriebenen) stand ein Besuch dieser Schule. Die Seminarteilnehmer informierten sich über den Deutschunterricht sowie über die grenzüberschreitenden Projekte.

Der Direktor des Lyzeums, Robert Wrobel, stellte seine Schule vor. Er ging auf die Geschichte des Lyzeums ein und bemerkte bedauernd, dass es kaum Material über die deutsche Vergangenheit gebe. Diese Lücke werde aber durch eigene Forschungen geschlossen.

Die Schule fördere besonders den Schüleraustausch mit deutschen Schulen. Ziel sei es, die menschlichen Kontakte zu vertiefen. Auch führe das Lyzeum Tage der deutschen Kultur durch. So habe man im letzten Jahr Goethes Faust aufgeführt.

Der Schüleraustausch mit Partnerstadt Fulda funktioniere seit 12 Jahren sehr gut.
Am Anfang wollten mehr polnische Schüler nach Deutschland, heute sei es umgekehrt. Es kämen mehr deutsche Schüler. Als Folge des Schüleraustausches würden sich die Schülerinnen und Schüler privat besuchen. Ein Paar habe sogar geheiratet, wusste Direktor Wrobel zu berichten.

Die Schülerin, Kaja Dlozdz, schilderte euphorisch ihre Erfahrungen beim Schüleraustausch. Sie skizzierte ein positives Bild von Deutschland. In der Familie in Fulda sei sie gut aufgenommen worden. Bei der Freizeitgestaltung gebe bei deutschen und polnischen Schülern keine Unterschiede. Sie hätten dieselben Interessen. Kaja Dlozdz will das Abitur in deutscher Sprache ablegen.

Auch boten die Schülerinnen und Schüler den Gästen aus Deutschland ihre Darbietungen. Eine Tanzgruppe zeigte ihr Können. Videoclips, mit deutschen Liedern unterlegt, wurden vorgeführt.

Nach den Vorführungen hatte die Schule noch zu einer Tasse Kaffee eingeladen.

Durch Gespräche gewannen die Teilnehmer einen weiteren positiven Eindruck.

Als Ergebnis kann zusammengefasst werden, dass auf der Ebene von Mensch zu Mensch keine Vorurteile gibt.

Adolf Wolf
im Oktober 2007