Landesvorstand des BdV Hessen tagte in Bensheim an der Bergstraße

"Wir wollen keine ewig Gestrigen sein, sondern unseren Beitrag in der Gesellschaft leisten"

Der auf Heimatvertriebene zurückgehende Hessentag ist ein Beispiel: Jedes Jahr wird er in einer anderen hessischen Stadt gefeiert als Zeichen der gelungenen Integration der Vertriebenen. "Warum sollten die turnusmäßigen Vorstandssitzungen des BdV", so fragte sich der neue BdV-Landesvorsitzende Siegbert Ortmann, "künftig nicht auch im Lande, anstelle in Wiesbaden stattfinden? Wir müssen an vielen Stellen mehr Präsenz zeigen und uns zu Wort melden", so Ortmann.

Bensheim war die erste Auswärtsstation. Der Schlesier Georg Stolle, einer von drei Stellvertretern Ortmanns und langjähriger ehemaliger Bürgermeister von Bensheim, hatte eingeladen. Das moderne Konferenzzentrum der Sparkasse war ein guter Rahmen für das Pressegespräch nach der Sitzung. Der richtige Weg, mit gutem Marketing auf sich aufmerksam zu machen. "Wir wollen mit der Zeit gehen. Wir wollen keine ewig Gestrigen sein, sondern unseren Beitrag in der Gesellschaft leisten", so Ortmann. Dazu gehört auch die äußere Darstellung des Verbandes:
Die Pressearbeit wird noch ausgeweitet und der Internetauftritt modernisiert.

"Bei Fragen von Vertreibung, Spätaussiedlern und Flüchtlingen will der BdV der Politik Vorschläge machen und sie sachkundig beraten" erklärte Ortmann der Presse. "Wir dürfen uns 66 Jahre nach der Vertreibung der Deutschen nicht ausschließlich mehr mit dieser beschäftigen. Wir können unser eigenes Schicksal nicht vergessen, müssen uns aber aktuellen Problemen von Flucht, Vertreibung und Verletzung der Menschenrechte zuwenden." Lt. Ortmann waren weltweit 2011 rund 42,5 Millionen Menschen auf der Flucht, davon mussten 15,4 Millionen ihre Heimat verlassen. Nicht gerechnet die eine Million Asylsuchenden.

Um diese Menschen in ihren Rechten zu unterstützen, wäre die Hilfe der Hessischen Landesregierung und von Bundestagsabgeordneten notwendig. Ein Gespräch zwischen dem hessischen BdV und einer Landtagsfraktion fand kürzlich statt, weitere wurden vereinbart. Ortmanns Vorschlag, nachdem Ministerpräsident Volker Bouffier, gemeinsam mit Vertriebenen, deren Heimatgebiete in der Tschechischen Republik und in Polen, besuchen sollte, wurde von diesem positiv beschieden.

Mit den benachbarten Landesverbänden Nordrhein-Westfalen, Niedersachen und Thüringen hat Ortmann vor, eine Art Netzwerk zum grenzüberschreitenden Erfahrungsaustausch zu vereinbaren.

Neben der Intensivierung der politischen Arbeit wurde in Bensheim auch das Thema Migrationsberatung diskutiert. Hier fordert der BdV von der Landesregierung "einheitliche Standards und Leitsätze", die für alle Beratungsinstitutionen Gültigkeit haben. Gewünscht wird ferner, dass der dem Sozialministerium zugeordnete Landesbeirat für Vertriebenen-, Flüchtlings- und Spätaussiedlerfragen, seine Arbeit baldmöglichst wieder aufnimmt. Wichtige BdV-Aufgaben sieht Ortmann beim Einsatz für Minderheitenschutz und Förderung der Kulturarbeit, auch der Heimatstuben.

Dem Pressegespräch war die interne Vorstandssitzung vorausgegangen, in der auch Erfahrungen aus den letzten Großveranstaltungen in Nürnberg und Wetzlar ausgewertet wurden. Ergebnisse werden in die Planungen für die Hessentage 2013 in Kassel und 2014 in Bensheim einfließen. Namhafte hessische Politiker halten die Festansprachen bei den Tagen der Heimat in Wiesbaden-Biebrich und Berlin: Im Schloss Biebrich spricht am 26. August der Minister der Justiz, für Integration und Europa und stellvertr. Ministerpräsident Jörg-Uwe Hahn und am 8. September in Berlin, Ministerpräsident Volker Bouffier.

Im neuen Kerncurriculum für das Fach Geschichte in hessischen Schulen, ist das Kapitel "Flucht und Vertreibung" mit Wirkung vom 1. August 2012 aufgenommen worden. Ein erster Schritt, dessen Wirkung in der Praxis verfolgt werden wird.

DEB-Vorsitzender Hartmut Saenger berichtete über die fünftägige Studienreise des Deutsch-Europäischen Bildungswerks in Hessen e.V. nach Rosenberg in Oberschlesien. Das Programm mit dem Leitthema: "Deutsch-polnisches Miteinander in Form von Patenschaften" umfasste auch den Besuch einer Festveranstaltung des Deutschen Freundschaftskreises Brückenort im Kreis Rosenberg /Olesno aus Anlass des 20. Jahrestages der Unterzeichnung eines Partnerschaftsabkommens mit der Landsmannschaft Schlesien im Altkreis Waldeck.

Im Juni 2012

Text und Fotos: Norbert Quaiser