Frauen sind gut

Feierstunde zum 60. Gründungsjubiläum des Landesfrauenrates Hessen

Die Hessische Staatskanzlei in Wiesbaden war der würdige Ort, dieses Jubiläum am 28. August zu feiern. Unter den vielen Frauen kaum zu sehen: Der Hausherr, Ministerpräsident Volker Bouffier und Sozialminister Stefan Grüttner.

1952 gehörte auch der "Bund der Vertriebenen (BdV)" mit zu den Gründungsmitgliedern der "Arbeitsgemeinschaft Hessischer Frauenverbände". Hohe Ziele wurden anvisiert: Umsetzung des Gleichberechtigungsprinzips entsprechend dem Grundgesetz, Förderung der Frau auf allen Gebieten des täglichen Lebens, völlige Gleichberechtigung im öffentlichen Leben, Ausbau des ehelichen Güterrechts, des Kinder- und Mutterschutzes, Anerkennung weiblicher Erwerbsarbeit sowie Kontaktpflege zu den Frauen bezw. Verbänden im Osten.

Waren es 1952 16 Landesverbände, die sich zusammenschlossen, hat sich heute die Anzahl der Mitgliedsverbände nahezu verdreifacht. Aus der "Arbeitsgemeinschaft Hessischer Frauenverbände" wurde der "Landesfrauenrat Hessen (LFR)". Er vertritt die Interessen von mehr als 1,2 Millionen Frauen in Hessen und arbeitet unabhängig, überparteilich und überkonfessionell.

Ministerpräsident Volker Bouffier, erinnerte bei seiner Begrüßung an die Zeit der Gründung vor 60 Jahren: Damals waren viele Männer noch in Kriegsgefangenschaft und Frauen die wesentlichen Träger der ersten Stunden des beginnenden Wiederaufbaus. Sich beizustehen, war eine erste Grundlage dieser Organisation. Spätestens nach der Gründung der Bundesrepublik und Schaffung des Grundgesetzes, ging es um die umfassende gesellschaftspolitische Gleichstellung der Frauen mit den Männern. Damals revolutionäres Gedankengut, aber bereits die Leitlinie, die für die gesellschaftspolitische Durchsetzung der Frauen bis heute gültig ist. "Es hat immerhin 24 Jahre nach Gründung des Frauenrates gedauert, bis 1976 eines der schwierigsten Gesetzgebungswerke umgesetzt wurde, das für heutige Generationen selbstverständlich ist, aber damals war die Reform des Ehe- und Familienrechts für die gesellschaftliche Entwicklung der Frau ein Schlüsselereignis" so der Ministerpräsident. Andere Fragen stehen heute im Mittelpunkt:

"Gleicher Lohn für gleiche Arbeit und wie können wir es hinbekommen, dass junge Frauen, die den Wunsch haben, eine Familie zu gründen, auch in ihrem Beruf ihre Chancen wahrnehmen können. Das sind die zentralen Herausforderungen" fügte er hinzu.

Sigrid Isser, Vorsitzende des Landesfrauenrates Hessen sieht mit Stolz auf die lange Gästeliste. Dass Hildegund Rüger, Präsidentin des Bayerischen Landesfrauenrates und Ulrike Kahl-Jordan, Vorsitzende des Landesfrauenrates Rheinland-Pfalz gekommen sind, erfreut sie besonders. Der LFR Hessen steht in ständigem Kontakt mit den Landesfrauenräten der anderen Bundesländer und dem Deutschen Frauenrat. Als wichtiger Meinungsträger des öffentlichen Lebens entsendet er Vertreterinnen in alle wichtigen Landesgremien. Die Mitarbeit in diesen Gremien, sowie eine gute Zusammenarbeit mit der Stabstelle Frauenpolitik im Hessischen Sozialministerium, ermöglicht ein Mitspracherecht des LFR auf allen Ebenen des gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Lebens.

Sozialminister Stefan Grüttner sprach in seiner Festrede davon, welche Ansätze die Frauen vor 60 Jahren bei der Gründung der Frauenorganisation bewegten und für was man damals eingetreten ist und fragte: "Was ist aus den Zielen geworden, die damals angestrebt wurden? Ist die selbstverständliche Teilhabe am Arbeitsleben in der Zwischenzeit wirklich selbstverständlich oder fehlt immer noch ein großer Schritt in diese Richtung? Ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die vor 60 Jahren auch eine Rolle gespielt hat, heute unter einem anderen Blickwinkel zu sehen? Werden wir heute den Frauen gerecht, wenn wir sie nur als die große stille Reserve des Arbeitsmarktes bezeichnen und uns überlegen, wie wir sie aktivieren können, weil der Fachkräftemangel gerade präsent ist und wir sie deshalb von der häuslichen Umgebung weg an den Arbeitsplatz haben wollen?"

Wenn es um die Aktivierung dieser großen stillen Reserve für den Arbeitsmarkt geht, so müsse damit nicht nur die Behebung des Defizites im Bereich der Fachkräfte verbunden sein. Wichtig sei eine entsprechende Anerkennung von Qualifikation und Gleichberechtigung im Erwerbsleben.

Die Gründung des Landesfrauenrates war gesellschaftlich notwendig, so der Minister. Sein ehrenamtliches Handeln könne kein staatliches Handeln ersetzen, aber es könne korrigieren und helfen, neue und innovative Entwicklungen zum Wohl der Gesellschaft zu initiieren. Der Landesfrauenrat sei aufgrund seiner Vielfalt in seiner Zusammensetzung am Puls der Zeit, gerade beim Eintreten für Chancen- und Entgeltgleichheit, für die Überwindung stereotyper Rollenbilder und für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Ein Schlußwort kam von Rita Czymai, stellvertr. Vorsitzende des Landesfrauenrates Hessen. Ihr Dank fürs Kommen galt allen, besonders aber Ministerpräsident Volker Bouffier, Sozialminister Stefan Grüttner, Staatssekretärin Petra Müller-Klepper und der früheren LFR-Vorsitzenden Dr. Andrea-Sabine Jacobi.

Text: Norbert Quaiser
Foto: Erika Quaiser

Im September 2012