Bund der Vertriebenen (BdV) bei Bündnis 90/Die Grünen im Hessischen Landtag

Bitte um Unterstützung bei humanitärer Geste gegenüber den deutschen Zwangsarbeitern

Der neue Landesvorsitzende des hessischen Bundes der Vertriebenen (BdV) Siegbert Ortmann, stattete am Donnerstag der hessischen Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen seinen Antrittsbesuch ab.

Ortmann und seine Vorstandskollegen wurden vom Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Hessischen Landtag, Tarek Al-Wazir und der Landesvorsitzenden und stellvertr. Fraktionsvorsitzenden Kordula Schulz-Asche zu einem offenen Gedankenaustausch empfangen.

Ortmann trug einen umfangreichen Themenkatalog vor. Er verdeutlichte, wie wichtig es für den BdV ist, über finanzielle Planungssicherheit zur Förderung seiner Kulturpflege, als Bestandteil gesamtdeutscher Kultur, zu verfügen. Dazu gehört auch die Arbeit der Landesbeauftragten, die quasi als Bindeglied zwischen Landesregierung, Vertriebenen und Spätaussiedlern, als unverzichtbare Hilfe angesehen wird.

Hinsichtlich der Migrationsberatung fordert der BdV "einheitliche Standards und Leitsätze", die für alle Beratungsinstitutionen Gültigkeit haben.

Die mit viel Engagement und persönlichen Erinnerungsstücken eingerichteten Heimatstuben, als Spiegelbild der Heimatgebiete, unbedingt und nach besten Möglichkeiten zu erhalten, ist Ortmanns Anliegen. Besondere Stücke könnten in wissenschaftlich begleiteten Abteilungen "Flucht und Vertreibung" in Landesmuseen überführt werden.

Den Landesbeirat für Vertriebenen-, Flüchtlings- und Spätaussiedlerfragen, wünscht sich Ortmann künftig verkleinert, damit dieser effektiver arbeiten kann.

"Die Bitte um Unterstützung der Vorhaben in der Frage eines "Nationalen Gedenktages für die Opfer von Flucht und Vertreibung" und der Forderung nach Entschädigung von deutschen Zwangsarbeitern, richte ich nicht nur an die Grünen, sondern an alle Parteien" erklärte Ortmann.

"Man sieht beim BdV durchaus die Fortschritte, die an den hessischen Schulen auf dem Gebiet der geschichtlichen Aufarbeitung von Flucht, Vertreibung und Zuwanderung zu verzeichnen sind.", so Ortmann. Im neuen Kerncurriculum für das Fach Geschichte in hessischen Schulen, ist das Kapitel "Flucht und Vertreibung" mit Wirkung vom 1. August 2012 aufgenommen worden. Ein erstes Ergebnis, dessen Wirkung in der Praxis verfolgt werden wird. Weitere Schritte dazu sollten jedoch folgen, z.B. regelmäßige Wanderausstellungen zu diesen Themen an den hessischen Schulen.

Für Tarek Al-Wazir, Sohn einer Sudetendeutschen, wird die Akzeptanz des BdV künftig davon abhängen, welchen "Mehrwert" er nach Erlöschen der Erlebnisgeneration durch Übernahme neuer Aufgaben leistet. Siegbert Ortmann erkennt ein großes Betätigungsfeld, denn "wir wollen keine ewig Gestrigen sein, sondern unseren Beitrag in der Gesellschaft leisten".

"Bei Fragen von Vertreibung, Spätaussiedlern und Flüchtlingen will der BdV der Politik Vorschläge machen und sie sachkundig beraten" erklärte Ortmann. "Wir dürfen uns 66 Jahre nach der Vertreibung der Deutschen nicht ausschließlich mehr mit dieser Thematik beschäftigen. Wir können unser eigenes Schicksal nicht vergessen, müssen uns aber aktuellen Problemen von Flucht, Vertreibung und Verletzung der Menschenrechte zuwenden. Lt. Ortmann waren weltweit 2011 rund 42,5 Millionen Menschen auf der Flucht, davon mussten 15,4 Millionen ihre Heimat verlassen. Nicht gerechnet die eine Million Asylsuchenden. "Eine Ergänzung der Satzung, den neuen Aufgaben angepasst, sei nicht ausgeschlossen" so Ortmann.

Hinsichtlich der angeregten Ausstattung von Museen, möchte Al-Wazir ganz allgemein die "Zuwanderung nach dem Kriege" in den Mittelpunkt stellen und den Anteil der Heimatvertriebenen am Aufbau Hessens, als "Brücke für den Übergang ins Normale", thematisieren. In der Frage, ob am 5. August ein "Nationaler Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung" abgehalten werden solle, sehen Tarek Al-Wazir und Kordula Schulz-Asche auch die Gefahr einer "Überfrachtung" der sowieso schon bestehenden Liste an Gedenktagen, die dem Anliegen nicht gerecht würde.

Die Forderung nach Entschädigung von deutschen Zwangsarbeitern, hält man für rechtlich schwierig durchzusetzen, wird sich jedoch des Themas annehmen.
Ein guter Abschluß dieses 2-stündigen Gespräches.

Text: Norbert Quaiser
Foto: Erika Quaiser

Im September 2012