Treffen der geschäftsführenden Landesvorstände des Bundes der Vertriebenen (BdV) von Niedersachsen und Hessen in Kassel

Gemeinsam sind wir stärker

Welche praktischen Möglichkeiten gibt es für ein Zusammenwirken des niedersächsischen und hessischen Bundes der Vertriebenen? Fragen, die vorige Woche beim ersten Treffen der Landesvorstände der beiden BdV-Organisationen in Kassel diskutiert wurden. Die Niedersachsen waren mit ihrem Landesvorsitzenden Oliver Dix, BdV-Vizepräsident Helmut Sauer und stellvertretenden Landesvorsitzenden Klaus Wiegmann gekommen.

Der hessischen Gruppe stand Landesvorsitzender Siegbert Ortmann vor, der seine Stellvertreter Georg Stolle und Manfred Hüber, den Landesvorsitzenden der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland Johann Thießen, sowie den Öffentlichkeitsreferenten Norbert Quaiser mit nach Kassel gebracht hatte.

"Wir dürfen uns nicht nur in der Rolle der Vergangenheitsverwalter gefallen, sondern aktiv für unsere Ziele in die Gesellschaft, und hier vor allem der Politik, hineinwirken. Das muss vor allem auch im Lichte der Öffentlichkeit geschehen", erklärte Ortmann bei der Begrüßung. "Mit der hessischen Landespolitik arbeiten wir seit Jahren gut zusammen und suchen auch das ständige Gespräch mit den Landtagsfraktionen. In der rührigen Landesbeauftragten der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, sieht der Verband ein wichtiges Bindeglied zur Politik" fügte Ortmann hinzu.

Drei jährliche Großveranstaltungen, der Landesverbandstag, der "Tag der Vertriebenen" beim Hessentag und der zentrale "Tag der Heimat" in Wiesbaden, finden in der Öffentlichkeit starke Beachtung. Im Rundfunkrat des Hessischen Rundfunks, in der Anstaltsversammlung der Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien und im Hessischen Landesbeirat für Vertriebenen-, Flüchtlings- und Spätaussiedlerfragen, der beim Hessischen Sozialministerium angesiedelt ist, reden unsere Vertreter mit. Ausstellungen, regelmäßige Kulturtagungen und Reisen zur Völkerverständigung mit östlichen Nachbarländern, gehören zum festen Programm des Kulturreferates. Schließlich bieten wir erfolgreich Migrationsberatung durch eine hauptamtliche Stelle in unserem "Haus der Heimat" in Wiesbaden an.

Das alle zwei Monate erscheinende Verbandsorgan "Deutsche Umschau" wird gemeinsam mit dem BdV Nordrhein-Westfalen herausgegeben.

Bei der Vorstellung seines Landesverbandes begrüßte Oliver Dix die Idee, dass die beiden Landesverbände, wie überhaupt die Landesverbände allgemein, näher zusammenrücken sollten. Der Landesverband Niedersachsen habe sich unter seiner Führung in den letzten drei Jahren erheblich verändert. Es sei eine Öffnung erfolgt, die vorher nicht der Fall war. "Nach außen offen, jedoch im Innern geschlossen" sei das Prinzip seiner Führungsmannschaft. Der Landesverband ist bis in die letzten Gliederungen straff durchorganisiert. Wie in Hessen, so werden auch unter Dix Regie regelmäßige Gespräche mit den Fraktionen im Landtag - außer mit den Linken - geführt, der Kontakt zu SPD-Fraktion ist besonders angenehm, führende Vertreter der SPD kommen zu den Großveranstaltungen. Einen engen Dialog führt man mit dem Fraktionsvorsitzenden der FDP und seinem parlamentarischen Geschäftsführer, der keine BdV-Veranstaltung auslässt. Auch die Niedersächsische Landesregierung hat einen Landesbeauftragten für Heimatvertriebene und Spätaussiedler eingesetzt.

Unter seiner Führung hat Dix die Kontakte auch zu anderen gesellschaftlichen Gruppen ausgeweitet. Es ist gelungen - neben den Parteien - freundschaftliche Kontakte und gemeinsame Projekte durchzuführen mit dem Niedersächsischen Heimatbund, dem Heimatbund Niedersachen, mit der Stiftung Niedersachsen, dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, mit der Bundeswehr, die bereits am letzten Tag der Heimat vertreten war, der Deutsch-Polnischen Gesellschaft in Niedersachen und der Deutsch-Russischen Gesellschaft in Niedersachsen. Im Rundfunkrat des NDR ist der BdV nicht vertreten. Auch Verständigungsreisen werden durchgeführt, im vorletzten Jahr nach Schlesien, im letzten Jahr nach Königsberg und in diesem Jahr geht noch eine Reise, mit einer großen Gruppe von Funktionsträgern, nach Prag. Peter Barton wird ein Programm ausarbeiten, bei dem möglichst viele, im tschechischen Parlament vertretene Parteien, getroffen werden.
Das Verbandsblatt "BdV aktuell", alleiniger Redakteur Oliver Dix, erhalten die Mitglieder gratis.

Stolz präsentierte Dix eine DVD, an welcher der Landesverband mitgearbeitet hat. Matthias Horndasch ist dabei im Gespräch mit dem in Polen lebenden deutschen Kabarett-Star, Autor und Schauspieler Steffen Möller.?Thema: "Autodiebe? Besserwisser? ... Weg mit alten Vorurteilen! Polen und Deutsche können gemeinsam mehr."? Ein Gastgeschenk der niedersächsischen BdVler an die hessischen "Mitstreiter" erfreute diese: Die 167 Seiten umfassende umfangreiche Darstellung "Vertriebene und Flüchtlinge in Niedersachsen".

Nach diesem "Kennenlernen" wurden die praktischen Möglichkeiten einer Zusammenarbeit ausgelotet. Dem Vergleich der Verbandstrukturen folgten Fragen der Organisation. Vordringlich ist die Erarbeitung eines Programms zur Werbung von Mitgliedern vorrangig aus der heute bekennenden Generation. Bei der Öffentlichkeitsarbeit darf nicht vergessen werden, dass die technischen Entwicklungen unser Leben, insbesondere im Bereich von Informations- und Kommunikationsmedien, in den letzten Jahren stark verändert haben. Jung und Alt beziehen ihre Informationen aus vollkommen unterschiedlichen Medien. Während die Älteren treue Fernsehzuschauer und Zeitungsleser sind, beziehen immer mehr Junge ihre Informationen nur noch aus dem Internet. Dort entwickeln sich nicht nur neue Kommunikationsformen, auch die Sprache verändert sich.

Die Webseiten der BdV-Landesverbände sollten sich zumindest ähneln. Flyer sollten soweit wie möglich einheitliche Informationstexte enthalten.

Die Schaffung von zentralen Datenbanken über alle Mitglieder sollte schnellstens realisiert werden. Anzustreben ist auch ein engerer Verbund in der Verbandsarbeit der benachbarten Landesverbände. Weitere Themen: Gegenseitige Besuche von Großveranstaltungen, Zusammenarbeit mit den Landesbeauftragten der Landesregierungen, sowie Zusammenarbeit mit der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland. Wie gute Pressearbeit funktioniert bewiesen die beiden Landesvorsitzenden Oliver Dix und Siegbert Ortmann bei der anschließenden Pressekonferenz.

Text: Norbert Quaiser
Foto: Erika Quaiser

Im September 2012