Bund der Vertriebenen (BdV) bei FDP im Hessischen Landtag

Dank an den stellvertretenden Ministerpräsident Jörg-Uwe Hahn für seine Festrede am "Tag der Heimat 2012"
Bitte um Zurückweisung griechischer Kriegsentschädigungszahlungen

Der neue Landesvorsitzende des hessischen Bundes der Vertriebenen (BdV), Siegbert Ortmann, stattete am Dienstag der hessischen FDP-Landtagsfraktion seinen Antrittsbesuch ab. Ortmann und seine Vorstandskollegen wurden vom Fraktionsvorsitzenden der FDP, Wolfgang Greilich und dem Sprecher für Heimatvertriebene und Umweltpolitik, zugleich Vorsitzender der Stiftung "Vertriebene in Hessen", Frank Sürmann, empfangen.

Ortmann trug einen umfangreichen Themenkatalog vor. "Wir können davon nichts durchsetzen, sondern nur vorschlagen" ergänzte er. Ortmann verdeutlichte, wie wichtig es für den BdV ist, über finanzielle Planungssicherheit zur Förderung seiner Kulturpflege, als Bestandteil gesamtdeutscher Kultur, zu verfügen. "Die institutionelle Landesförderung" so Ortmann " betrachten wir nicht als Geschenk, sondern wollen uns damit auch dort einbringen, wo unsere leidvolle Erfahrung hilfreich ist". Als unverzichtbare Hilfe sieht der BdV die Arbeit der Landesbeauftragten an, die quasi ein Bindeglied zwischen Landesregierung, Vertriebenen und Spätaussiedlern bildet.

Ortmann bat darum, seinen Dank an den Hessischer Minister der Justiz, für Integration und Europa und stellvertretenden Ministerpräsident Jörg-Uwe Hahn für seine Festrede am "Tag der Heimat 2012" weiterzuleiten. Einen würdigeren Rahmen für diese Veranstaltung könne er sich nicht denken. Er bitte darum, dass die FDP-Fraktion auch künftig für die Überlassung von "Hessens guter Stube" im Rahmen der Landesförderung eintritt.

Ortmann führt aus, dass er in der Sudetendeutschen Landsmannschaft das Amt des stellvertr. Bundesvorsitzenden übernommen habe. Seine Vision aus hessischer Sicht sei, dass der hessische Ministerpräsident in absehbarer Zeit einen formellen Besuch in der Tschechischen Republik durchführt, nicht im wirtschaftlichen Bereich, sondern der Kultur und der geschichtlichen Ereignisse. Es solle nicht kopiert werden, was Ministerpräsident Seehofer von München aus unternommen hat. Anlass der Reise solle die Tatsache sein, dass jeder 4. Sudetendeutsche nach der Vertreibung in Hessen gelandet ist.

Die mit viel Engagement und persönlichen Erinnerungsstücken eingerichteten Heimatstuben, als Spiegelbild der Heimatgebiete, unbedingt und nach besten Möglichkeiten zu erhalten, ist Ortmanns Anliegen. Besondere Stücke könnten in wissenschaftlich begleiteten Abteilungen "Flucht und Vertreibung" in Landesmuseen überführt werden. Es wäre gut, wenn mit einer Skulptur auf dem Gelände des Landtages an die Vertreibung erinnert würde.

"Die Bitte um Unterstützung der Vorhaben in der Frage eines "Nationalen Gedenktages für die Opfer von Flucht und Vertreibung" und der Forderung nach Entschädigung von deutschen Zwangsarbeitern, richte ich nicht nur an die FDP, sondern an alle Parteien" erklärte Ortmann.

Dass im neuen Kerncurriculum für das Fach Geschichte in hessischen Schulen, das Kapitel "Flucht und Vertreibung" mit Wirkung vom 1. August 2012 aufgenommen worden ist, sieht Ortmann als Erfolg beidseitiger Bemühungen. Da jedoch für den Unterricht ein "Vertreibungsthema" frei gewählt werden kann, wären Wanderausstellungen in den Schulen eine gute Möglichkeit, besonders über die Vertreibung der Deutschen zu informieren.

Schließlich griff Ortmann noch ein Thema auf, das zwar über die hessische Landespolitik hinausreicht, bei dem er aber trotzdem um Unterstützung durch die hessische Politik bittet: Die neuerlichen Milliarden-Forderungen Griechenlands nach weiteren Kriegsentschädigungszahlungen durch die Bundesrepublik Deutschland. Diese Ansinnen müssen nach Ansicht des hessischen BdV zurückgewiesen werden.
Für die deutschen Heimatvertriebenen sei dieser Vorgang aber auch noch aus einem anderen Grund beachtenswert. So seien aufgrund rechtswidriger Enteignungsdekrete von 1945 in Polen und der Tschechoslowakei riesige Vermögen von Vertriebenen staatlicherseits eingezogen und verwertet worden. Dafür hätten die Geschädigten von den Regierungen in Prag und Warschau unter fadenscheinigen Begründungen überhaupt keine Wiedergutmachung erfahren. Nicht zuletzt deshalb habe der BdV-Hessen kein Verständnis für mögliche weitere Reparationszahlungen an Griechenland, so der Landesvorsitzende abschließend.

Als Antwort auf die lange "Wunschliste" gab es Gutes zu hören. Die angeregte Ausstattung von Museen wird Frank Sürmann im Kulturausschuss vortragen. Bei der Forderung nach Entschädigung von deutschen Zwangsarbeitern, wird man sich der bayerischen Initiative anschließen. In der Frage eines "Nationalen Gedenktages für die Opfer von Flucht und Vertreibung" ist man grundsätzlich für dessen Einrichtung. Über die Reise des Hessischen Ministerpräsidenten in die Tschechische Republik sollte nochmals gesprochen werden, wenn Einzelheiten bekannt sind. Wegen eines künstlerisch gestalteten Erinnerungsmonuments über "Flucht und Vertreibung" auf dem Gelände des Hessischen Landtages, könnte sich Frank Sürmann ein "Zusammenwirken" von BdV und der Stiftung "Vertriebene in Hessen" vorstellen.

Text: Norbert Quaiser
Foto: Erika Quaiser

Im September 2012