Ludwig Manfred Lommel, der Mann der tausend Stimmen, vor 50 Jahren in Bad Nauheim verstorben

Die "Schlesische Stunkfunze"

Bad Nauheimer Landsmannschaft Schlesien widmet ihrem großen Landsmann Anfang September einen "Schlesischen Nachmittag"

Es ist kaum bekannt, dass der bundesweit bekannte Radio- und Bühnenhumorist Ludwig Manfred Lommel in einem Ehrengrab in Bad Nauheim ruht. Seit 1956 war der "Schlesische Großmeister des Humors" Bad Nauheimer Bürger. Am 19. September 1962 ereilte ihn hier ein tödlicher Herzinfarkt. Wenige Tage vorher hatte er noch mit seinem Bühnenprogramm "90 Minuten Lachen" sein Publikum begeistert. 1951 war Lommel das erste Mal mit Nachwuchstalenten in Bad Nauheim aufgetreten: darunter den später als "Zaubergeiger" weltweit bekannten Helmut Zacharias und Vico Torriani, dessen Multitalent Lommel wohl schon damals bewusst war.

Ludwig Manfred Lommel wurde am 10. Jan. 1891 in Jauer in Schlesien als Sohn eines Tuchfabrikanten geboren. Nach dem 1. Weltkrieg, den er als Offizier mitmachte, stand er vor dem Nichts. So beschloss er seine schauspielerische Gaben, die er während der 4 Kriegsjahre beim Unterhalten seiner Kameraden entdeckt hatte, beruflich zu verwerten und begann mit dem Fahrrad von Dorf zu Dorf zu fahren, um Vortragsabende zu geben, bei denen er dann Kassierer, Platzanweiser, Beleuchtungs- und Vortragsmeister in einer Person war.

Mit Sketchtexten unterm Arm, sprach Lommel eines Tages in der Kaiser-Wilhelm-Straße in Breslau vor. Im einstigen Oberbergamt hatte sich gerade die "Schlesische Funkstunde" etabliert. Schon die erste Sendung am 26. Mai 1924 hatte unfreiwillig Lommelscher Diktion entsprochen. Bei der Übergabe durch den Oberpräsidenten der damaligen Provinz Schlesien, He rmann Zimmer, verhaspelte der sich in einer so schaurigen Weise, dass es für alle Teilnehmer recht peinlich war. Es endete von "Schlesischer Funkstunke" schließlich bei dem Wort "Schlesische Funkstunze" bzw. "Schlesische Stunkfunze." Wenn man weiß, dass das Wort "Funze" in Schlesien eine ganz besondere Bedeutung hat, ein schlechtes Licht wird damit bezeichnet, so war das keine große Empfehlung für die später so erfolgreiche Rundfunksendung.

Kurz danach erteilte der schlesische Rundfunk Lommel den Auftrag, ein Hörspiel nach einer neuartigen Idee von Friedrich Bischoff, des späteren Intendanten des Südwestfunks, zu schreiben. So entstand "Runxendorf mit seiner Welle 05" beim Reichssender Breslau mit den volkstümlich gewordenen Figuren wie Paul und Pauline Neugebauer, Kantor Stockschnupfen, Baron Rülps von Kullrich usw.

Durch seine Fähigkeit, seine Stimme und Sprechweise so zu ändern, dass er viele Personen vorzutäuschen versteht, konnte Lommel in seiner Person lautmalerisch ein ganzes Ensemble auftreten lassen.

"Dabei entsteht auch reine Klangartistik" schreibt Christian Meurer 2007 in "Titanic" : "ein seltsamer Stehkonvent deutscher Dialekte unter Paulines Fensterbrett, eine akustische Interpunktion für Radio und Schallplatte, die die Satzzeichen durch allerlei Plopp- und Pupsgeräusche markiert, oder auch ein Potpourri sämtlicher Geräuschzumutungen für einen Berliner Mietskasernenbewohner: Sägegeräusche im Parterre, das Surren des Kintopp-Apparats im Lichtspieltheater nebenan (altes und neues Modell), Bohrergesumm und Wassertrinken aus einer Zahnarztpraxis, Defilee einer Militärkapelle, eine Kanarien-Menagerie auf dem Nachbarbalkon, Ansprache eines Hofbettlers mit anschließendem Balalaikageklimper, Feuerwerk im Luna-Park, Automobil-Ankurbeln plus Wegfahren und dazu eine komplette Probe der Oper "Die tote Sau" inkl. Stimmen der Instrumente und Rezitativ."

Dem 92jährigen 1. Kreisvorsitzenden der Landsmannschaft Schlesien, Nieder- und Oberschlesien, Georg Walter, ist Ludwig Manfred Lommel noch in guter Erinnerung. Oft nahm "Paul Neugebauer" an deren Veranstaltungen teil und half, so wie er zwischen seinen Tourneen Zeit fand, seinen Landsleuten beim Aufbau und Organisation der schlesischen Ortsgruppe.

Unser schlesischer Humorist,
der am 19. September vor 50 Jahren verstorben ist,
ist ein Anlass, seiner zu gedenken
und ihm posthum unsere Aufmerksamkeit zu schenken.
Er fand am Bad Nauheimer Friedhof seine ewige Ruh'
hier deckt ihn die Bad Nauheimer Erde zu
, reimte Walter.

Er und seine Mitarbeiterinnen und Helfer hatten den "Schlesischen Nachmittag" gut vorbereitet. Zahlreiche Gäste aus nah und fern, u.a. Helmut Liewald, Landesvorsitzender der hessischen Landsmannschaft Schlesien, Nieder- und Oberschlesien und Reinhard Schwarz, BdV-Kreisvorsitzender, hatten Walters Einladung Folge geleistet. In dem "Bunten Programm nach Lommel-Art", bewiesen Johanna Mrochen, Dorothea Gutsche und Erwin Gröger ihre musikalischen und rhetorischen Talente.

In seinem Schlusswort bat Walter um "Unterstützung zum Erhalt des schlesisches Kulturerbes" und um Werbung neuer Mitglieder, insbesondere aus der jüngeren Generation.

Text: Norbert Quaiser
Foto: Erika Quaiser

Im September 2012