Presseinformation

"Bund der Vertriebenen (BdV)", Landesverband Hessen, Wiesbaden

Das Schicksal der Deutschen aus Russland ist Teil deutscher Geschichte

Der hessische Landesvorsitzende des "Bund der Vertriebenen (BdV)", Siegbert Ortmann, ruft zu einer landesweiten, intensiveren Beachtung der Geschichte der Deutschen aus Russland in unserer Gesellschaft auf.

"Angesichts der Größe dieser Bevölkerungsgruppe in unserem Land sei immer wieder festzustellen, wie spärlich das Wissen bei der Bevölkerung über die geschichtlichen Wurzeln dieser neuen Mitbürger ist. Da in diesem Jahr am 22. Juli der 250. Jahrestag der Veröffentlichung des Einladungsmanifestes der russischen Zarin Katharina II. begangen wird, biete sich eine entsprechende breitgefächerte, historische Informations-Kampagne geradezu an", so Ortmann.

Während sich die Integration der Deutschen aus Russland erfreulicherweise auffallend geräuschlos und auch größtenteils erfolgreich vollziehe, so sei aber in der breiten Öffentlichkeit kaum noch bekannt , dass diese Spätaussiedler mehr oder weniger deutscher Abstammung seien. Die damit verbundenen geschichtlichen Hintergründe kenne man jedoch überwiegend nicht. "Wir werden uns aber einander umso besser verstehen, je mehr wir voneinander wissen", stellte der BdV-Landesvorsitzende fest und verwies auf die Ursprünge der deutschen Massenansiedlungen in Russland.

Besonders Deutsche aus Hessen seien der zaristischen Einladung vor 250 Jahren massenhaft gefolgt, und zwar vor dem Hintergrund der ungünstigen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zustände in Deutschland. Dennoch sei diese Auswanderung und die damit verbundene Ansiedlung in einem fremden Land für jeden einzelnen dieser Menschen eine folgenschwere Entscheidung gewesen, zumal später die russische Regierung längst nicht alle Versprechen gehalten habe.

So durften die Auswanderer aus Deutschland beispielsweise ihren Wohnort in Russland nicht frei wählen, sondern wurden in extra dafür festgelegten Gebieten, vor allem an der Wolga, angesiedelt, wo sie sofort erfolgreich damit begannen, das ihnen zugewiesene Land zu bebauen und Siedlungen zu gründen.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sei die Geschichte der Russlanddeutschen eine Leidensgeschichte mit Deportation und Vernichtung gewesen. Erst In der zweiten Jahrhunderthälfte besserte sich ihre Lage, als vielen deutschstämmigen Bewohnern der Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion die Rückwanderung nach Deutschland und die Integration in die bundesrepublikanische Gesellschaft gelang.

Der BdV-Landesvorsitzende begrüßte, dass das Hessische Sozialministerium, zusammen mit der Stiftung "Vertriebene in Hessen", einen Dokumentarfilm über die Aussiedlung von Deutschen nach Russland, die Vertreibung vor Ort und die Rückkehr in die Heimat in Auftrag gegeben hat. Das Vorhaben soll dazu beitragen, den Deutschen aus Russland mehr als bisher mit Respekt und wachem Interesse zu begegnen und sie nicht nur geringschätzig als "Mitbürger mit Migrationshintergrund" zu bezeichnen. "Denn das Schicksal dieser Menschen ist nichts anderes als ein Teil der gemeinsamen deutschen Geschichte", so Ortmann abschließend.

Text: Norbert Quaiser; Foto: Erika Quaiser
Im Januar 2013