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Schlesier gratulieren der SPD zum 150. Geburtstag

150 Jahre Sozialdemokratie nahm Helmut Liewald, Frankfurt, zum Anlass, als Landesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien (Nieder- und Oberschlesien) der Hessischen SPD zum 150. Partei-Jubiläum zu gratulieren.

Ferdinand Lassalle aus Breslau als Gründer des ältesten Zweiges der Sozialdemokratie sei nur eine der Persönlichkeiten, die als Schlesier in der SPD an führender Stelle Politik gestaltet haben. Liewald hebt hervor, dass alleine aus Breslau drei führende Politiker der SPD in der Nachkriegszeit Landeshauptstädte regiert haben: Pastor Heinrich Albertz (Berlin), Hans-Ulrich Klose (Hamburg) sowie Achim Exner als Oberbürgermeister der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. Auch auf den Wirtschaftsminister Karl Schiller sowie an Wolfgang Thierse als weitere herausragende Breslauer Gewächse in der Nachkriegspolitik der SPD verwies der Schlesier-Vorsitzende Liewald in seinem Schreiben.

Nicht erst seit der Gründung einer der beiden SPD-Vorläuferparteien sei die Arbeiterbewegung in Schlesien verankert. So hätten bereits in den 1840er Jahren nicht nur die in die Literaturgeschichte eingegangenen Weber, sondern auch die Bergarbeiter, auch um 1870 im Waldenburger Bergland oder die oberschlesischen Bergarbeiter immer wieder zu Arbeitskämpfen aufrufen müssen, um soziale Fortschritte durchzusetzen. Aber auch zwischen dem ersten und dem Zweiten Weltkrieg hatte die SPD eine ihrer Hochburgen in Niederschlesien. So war die SPD bei Preußischen Landtagswahlen in Niederschlesien stets mit Abstand die stärkste Partei mit zwischen 51 und 35 % der Stimmen. Nach 1918 stellten die Sozialdemokraten ununterbrochen 3 Oberpräsidenten der niederschlesischen Provinz bis zum "Preußenschlag" 1932. Im katholisch geprägten Oberschlesien war dagegen das katholische "Zentrum" dominierend, das aber mit der SPD und den Liberalen in der "Weimarer Koalition" zusammenarbeitete.

Jahrzehntelang konnte sich die Landsmannschaft Schlesien auf eine enge Partnerschaft mit der SPD verlassen, die auch durch den Landsmannschaftsvorsitzenden Herbert Hupka zum Ausdruck kam, der NS-Verfolgter und SPD-Bundestagsabgeordneter war und später für seine Aussöhnungspolitik durch die polnischen Politiker zum Ehrenbürger seiner Heimatstadt Ratibor (Oberschlesien) ernannt wurde. Viele Maßnahmen, die die Eingliederung der Heimatvertriebenen erleichterten, wurden auch durch die SPD auf Bundesebene wie auch auf der oft direkter betroffenen Länder- und Kommunalebene unterstützt. Diese enge Verbindung lockerte sich im Rahmen der Ostpolitik der 70er Jahre. Trotzdem blieb es in der Kommunalpolitik bei vielen gemeinsamen Ansätzen, wie zum Beispiel bei der Aussöhnungspolitik und den Begegnungen bei Städtepartnerschaften.

Hier konnte in der Vergangenheit und sollte in der Zukunft die Zusammenarbeit weiter gepflegt werden; denn die Heimatvertriebenen können Ortskenntnis, Tradition und oft auch sprachliche Kompetenzen einbringen. Auch bei der Erhaltung der reichen Kultur der Schlesier wie auch der anderen Vertreibungsgruppen bleibt noch viel zu tun, wofür die öffentliche Hand durch das Vertriebenengesetz eine dauerhafte Verpflichtung übernommen habe. Liewald drückte seine Hoffnung aus, dass sich die SPD nicht nur ihrer Tradition, sondern auch der Kulturtradition der Landsmannschaften der Vertriebenen bewusst bleiben und sie weiter unterstützten.
Dann sei auch in den Reihen der Schlesier und deren Nachkommen das Verständnis für die Anliegen der SPD zukünftig gesichert, schloss Helmut Liewald.

Text: Norbert Quaiser
Im Juni 2013