Heimatvertriebenen Landwirten das Selbstwertgefühl wiedergegeben

Hessische Ministerin Lucia Puttrich (CDU) bei Feierstunde "50 Jahre landwirtschaftliche Nebenerwerbssiedlung Langen-Oberlinden"

Die Einweihung der Nebenerwerbssiedlung erfolgte fast auf den Tag genau vor 50 Jahren, erinnerte sich Otto R. Klösel, Vorsitzender der Nebenerwerbssiedler-Gemeinschaft. Der damalige hessische Landwirtschaftsminister Gustav Hacker weihte die größte Nebenerwerbssiedlung Deutschlands im Egelsbacher Wald ein.

Lucia Puttrich, Hessische Ministerin für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz steht in der Reihe der Nachfolger von Gustav Hacker.
"Ich sage allen Dank, die der Siedler-Gemeinschaft so lange die Treue gehalten haben" so die Ministerin in der Feierstunde im voll besetzten Gemeindesaal der evang. Martin-Luther-Gemeinde. Heute erinnere kaum noch etwas an die Anfänge, als den aus ihrer Heimat vertriebenen Landwirten auf den Grundstücken Gelegenheit gegeben wurde, Kartoffeln und Gemüse anzubauen. Auch das Federvieh der Bürger ist längst verflogen und die Hasen samt Ställen neben den Häusern mussten Platz machen für Garagen. Für die Berufsgruppe der vertriebenen Landwirte sei ein Neuanfang besonders schwer gewesen. Mit dem Boden unter den Füßen, habe man ihnen in Oberlinden auch ihr Selbstwertgefühl wiedergegeben, erklärte Frau Puttrich.

Oberlinden sei ein begehrtes Wohngebiet, urteilte Langens Bürgermeister Frieder Gebhardt (SPD) und sprach vom grünen Stadtteil, über den Besucher ins Schwärmen kämen. Sozusagen in den Wald geplant, entstand im ersten Bauabschnitt auf einer Fläche von rund 65 Hektar neuer Wohnraum für 5.000 Menschen. Anfang der 60er Jahre waren es bereits 22.000 Einwohner. Das Erfolgsrezept nach Gebhardt: die Vertriebenen spürten, dass geteiltes Leid halbes Leid bedeutet und dass alle nur ein Ziel vor Augen hatten, sich in Oberlinden eine neue Heimat aufzubauen.

Frank Lortz (CDU) Mitglied des Kreisausschusses Offenbach und Vizepräsident des Hess. Landtages, bestätigte den Heimatvertriebenen, dass sie das Leben bereichert hätten, in die Vereine sei "neuer Wind" gekommen. In der "Charta der deutschen Heimatvertriebenen" von 1950 hätten die Vertriebenen aller Gewalt abgeschworen. "Bleiben sie zusammen, in guten und weniger guten Zeiten" wünschte Frank Lortz den Siedlern. Als Mitglied des Verwaltungsrats einer örtlichen Sparkasse kam er nicht mit leeren Händen. Sein "Mitbringsel" nahm Otto R. Klösel gern entgegen.

Eine Überraschung gab es für die Ehrengäste: Klösel übergab jedem eine Abbildung der Vertriebenen-Gedenksteine bestehend aus Isergebirgs-Granit, die auf einer kleinen Anlage in Oberlinden ruhen und an Vertreibung und Eingliederung erinnern.

Mit einem Grußwort war die Landesbeauftragte der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Margarete Ziegler-Raschdorf, vertreten. Darin erinnerte sie, dass das Bauvorhaben vor 50 Jahren beispielhaft gewesen sei. Auszeichnungen dafür hätte es bei verschiedenen Wettbewerben gegeben.

Das Blechbläserquartett der Musikschule Langen umrahmte die Veranstaltung mit Blasmusik vom Feinsten. Pia Henzel, Manfred Rauch, Simon Schäfer und Moritz Löwenstein zuzuhören, war ein außerordentliches Vergnügen.

Einen besonderen Applaus erhielt die Tanz- und Gesangsgruppe der "Egerland Jugend" Offenbach, unter Leitung von Edith Zaschka-Domes. Einige Mitglieder hatten sich für den Auftritt in Oberlinden extra Urlaub genommen.

Mit dem Schlusswort "Dankbar rückwärts - mutig vorwärts - gläubig aufwärts" verabschiedete Otto R. Klösel die Gäste. Der stellvr. Vorsitzenden der Siedlergemeinschaft Adeline Schultz, sprach er besonderen Dank für ihr jahrelanges Wirken aus und dem Vorsitzenden des Obst- und Gartenbauvereins Langen, Heinz-Georg Sehring, dankte Klösel für die treue Verbundenheit seines Verbandes zur Nebenerwerbssiedler-Gemeinschaft.

Text: Norbert Quaiser; Fotos: Erika Quaiser
Im Juli 2013