Harry Petzold gestorben

Am 25. November 2013 starb in Kassel nach schwerer Krankheit im 89. Lebensjahr Harry Petzold, der über sechs Jahrzehnte engagiert in der Landsmannschaft Weichsel-Warthe und im Bund der Vertriebenen wirkte.

Harry Petzold, am 21. Februar 1925 in Lodz geboren, besuchte die dortige Volksschule und absolvierte eine Lehre zum Schriften- und Dekorationsmaler mit Besuch der Berufsschule in seiner während der Kriegszeit in Litzmannstadt umbenannten Heimatstadt. 1943 nahm er an dem damals so bezeichneten Reichsberufswettkampf teil, den er als bester in seinem Beruf im damaligen Reichsgau Wartheland abschloß. Die Stadt Litzmannstadt setzte daraufhin ein Stipendium für seine weitere Ausbildung an einer Kunsthochschule aus. Bei der Einberufung zum Wehrdienst wurde dem damals 18jährigen erklärt, dass er das weitere Studium zurückstellen müsse. Nach dem Krieg legte er die Meisterprüfung ab, wurde selbständiger Lackierermeister in Kassel und war viele Jahre im Meisterprüfungsausschuss bei der Handwerkkammer Kassel tätig.

Bereits 1950 wurde Harry Petzold Mitglied der Landsmannschaft Weichsel-Warthe, von 1966 bis 1972 war er Vorsitzender der Kreisgruppe Kassel und von 1972 bis 1998 ihr stellvertretender Vorsitzender. Viele Jahre war Harry Petzold Kulturreferent der Landesgruppe Hessen der Landsmannschaft Weichsel-Warthe und war seit 1997 bis zu seinem Tode ihr Landesvorsitzender. Von 1997 bis 2010 war er auch Bundesschatzmeister der Landsmannschaft, die er auch im Stiftungsrat der Stiftung Kulturwerk Wartheland, zeitweise als stellv. Vorsitzender vertrat.

Seiner Heimatstadt Lodz und dem Hilfskomitee der ev.-lutherischen Deutschen aus Polen blieb er bis zu seinem Tode eng verbunden. Intensiv kümmerte er sich um die Pflege verwahrloster deutscher Gräber in Lodz, deshalb wandte er sich mehrmals an die polnische Regierung und den Lodzer Stadtpräsidenten. Seine im "Jahrbuch Weichsel-Warthe" und im Mitteilungsblatt abgedruckten Beiträge und Betrachtungen haben stets Beachtung gefunden, zum Teil auch unter Polen. Er informierte den Bundesvorstand der Landsmannschaft über wichtige Veröffentlichungen in Polen, die er im Bedarfsfall ins Deutsche übersetzte. Er führte mit Unterstützung seiner Ehefrau Erna für die hessische Landesgruppe der Landsmannschaft 12 Kulturwochen und 8 mehrtägige Studienfahrten durch, um unseren Landsleuten kulturelle und heimatbezogene Inhalte und Erlebnisse zu vermitteln.

Außerdem engagierte sich Harry Petzold in Kassel und in Hessen im Bund der Vertriebenen. Er war viele Jahre ständiger Teilnehmer an den jeweils mehrtägigen Sommer- und Winterkulturtagen des BdV-Landesverbandes, die auf seine Empfehlung hin stets mehrere weitere Landsleute besuchten. Seit 2003 bis zu seinem Ableben gehörte er als Beisitzer dem BdV-Landesvorstand Hessen an.

Das umsichtige und langjährige Wirken des Verstorbenen wurde mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen (2010), dem Kulturpreis der Landsmannschaft Weichsel-Warthe (2006) und die Ehrenmitgliedschaft im Jahre 2010 gewürdigt.

Unser Mitgefühl gilt seiner Witwe Erna.

Text: Karl Bauer
Im Dezember 2013