Presseinformation

Rettet das Gerettete

Zentrale Archivierung zur Sicherung von Dokumenten aus der Zeit der Vertreibung

Mit dem immer stärker werdenden Generationswechsel von der Erlebnisgeneration zur Bekenntnisgeneration stellt sich immer deutlicher die Frage nach der Zukunft der Sammlungen von Dokumenten über die Vertreibung und die Zeit nach der Ankunft in Hessen.

Leider geschieht es häufig, dass Angehörige oder Fremde bei der Haushaltsauflösung wertvolle Dokumente und Gegenstände vernichten. Oft werden auch kommerzielle Unternehmen mit der Haushaltsauflösung pauschal beauftragt. Dabei gehen viele wertvolle Sachen für die Zeitgeschichte und Heimatkunde verloren. Alte persönliche Papiere aus der Heimat wie Geburtsurkunden, Heimatscheine, Zeugnisse sind wertvolles Kulturgut und vor der Vernichtung zu retten.

Aber auch amtliche Papiere aus der Vertreibungszeit wie Vertreibungsdekrete und - befehle, Inventarlisten von Kisten und Säcken sind zu sichern, weil sie authentisch die grausame Vertreibung schwarz auf weiß dokumentieren. Dazu gehören auch Protokolle und wichtige Briefe aus der Anfangszeit der Vertriebenenverbände, der Parteien und anderer Vereinigungen als wichtige zeitgeschichtliche Dokumente.

Welche Maßnahmen sind notwendig, die Heimatsammlungen in ihrem Bestand zu sichern? Um das zu erörtern, hatte der hessische BdV-Landesvorsitzende Siegbert Ortmann Dr. Volker Eichler (dessen Vater aus Neutitschein stammt) und Manfred Pult vom Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden in das "Haus der Heimat" in Wiesbaden eingeladen. Dass das Gespräch im Rahmen einer Sitzung des geschäftsführenden BdV-Landesvorstandes stattfand unterstreicht, wie vordringlich der hessische BdV nach einer Lösung für die Sicherung der Archivalien sucht.

Ortmann erklärte, dass nach dem Krieg z.B. etwa 400.000 Heimatvertriebene aus dem Sudetenland nach Hessen gekommen sind. Deren Erfassungslisten liegen vor aber leider keine Fotos aus dieser Zeit, weil Fotoapparate unter Androhung strenger Strafen, bei den Transporte nicht mitgenommen werden durften. Es ist deshalb über diese Zeit nur spärliches, aber besonders wichtiges Dokumentationsmaterial vorhanden. Interessantes Material von den Bürgermeistern und den Landräten, die sich damals um die Integration bemüht haben, seien aus dem "Dornröschenschlaf" zu wecken. Das neue hessische Archivgesetz könnte zur Sicherung der Unterlagen im Hinblick auf die spätere Archivierung und Archivpflege hilfreich sein.

Für das Hessische Hauptstaatsarchiv sei die Beschäftigung mit Vertriebenenfragen nicht neu, erklärte Dr. Eichler. Bereits 1985 habe man ein Projekt begonnen, das in mehreren Bänden jetzt dokumentiert ist, z.B. in Band 4 "Aufnahme und Integration der Vertriebenen und Flüchtlinge in Hessen 1945 - 1950". Dass die Gäste alle Bände der Wiesbadener BdV-Bibliothek als Gastgeschenk übergaben, erfreute den BdV-Vorstand besonders. Für das Hauptstaatsarchiv sei es keine Frage, sich der Aufbewahrung der erwähnten Unterlagen anzunehmen, erklärte Manfred Pult. Alle gemeldeten Archivalien würden auf Archivwürdigkeit untersucht und registriert.
Anläßlich der nächsten BdV-Organisationstagung im Januar 2015 werden Dr. Eichler und Manfred Pult als Referenten die Möglichkeiten ihres Amtes zur Bestandserhaltung der Vertriebenenunterlagen beschreiben.

Text und Foto: Norbert Quaiser
Im Mai 2014