Presseinformation

Das "Jahrbuch Weichsel-Warthe 2015" ist erschienen!

Das 61. Jahrbuch ist erstellt! Themenschwerpunkt ist der 1. Weltkrieg und seine Folgen für die Deutschen in den drei Teilungsgebieten. Aus diesem Grunde zeigt das Titelbild des Jahrbuchs eine Ansichtspostkarte von Posen aus der Zeit des 1. Weltkriegs. Auch das Kalendarium nimmt sich des Titelthemas an und zeigt auf den Monatsseiten weitere Propagandapostkarten und dokumentarische Fotos. In einem gesonderten Text zu den Vignetten stellt Dr. Sprungala die Hintergründe dar.

Das obligatorische geistliche Wort schrieb der diesjährige Kulturpreisträger Altbischof Dr. Johannes Launhardt zum Titelthema. Der Ehrensprecher Karl Bauer erinnert in seinem Nachruf an seinen langjährigen Mitarbeiter, den verstorbenen Bundesschatzmeister und langjährigen Vorsitzenden des LWW-Landesverbandes Hessen, Harry Petzold. Das folgende "Frühlingsgedicht" stammt von der verstorbenen Mutter unseres langjährigen Jahrbuchautos Rene Ast aus Lodz, von Lydia Ast (). Es folgt das Kalendarium und die "Bunten Seiten" mit Fotos der Bundesversammlung und Bundeskulturtagung 2014.

Nicht als weiterer Nachruf, sondern als Würdigung und Erinnerung verfaßte Dr. Zdzislaw Wlodarczyk aus Wielun "Ein Andenken an Georg Sichler", den langjährigen Vorsitzenden des Hilfskomitees der evangelisch-lutherischen Deutschen aus Polen e.V. Statt des seit Jahren üblichen Rückblicks auf die Zeit vor 100 Jahren als Auszug "Aus den Posener Heimatgrüßen" seines Großvaters Superintendent Arthur Rhode zitiert Götz Urban aus "Arthur Rhodes Erinnerungen an die Kriegszeit in der Provinz Posen 1914-1920", denn die folgenden Jahrgänge seiner Heimatgrüße gelten als verschollen. Mit diesem Beitrag steigt das Jahrbuch erneut in das Titelthema ein.

Den einleitenden Hauptvortrag bei der Bundeskulturtagung 2014 hielt Dr. Wolfgang Kessler mit "Der Erste Weltkrieg und die Deutschen in Polen", der hier abgedruckt wurde. Auch der Germanist Prof. Dr. Roman Dziergwa aus Posen beschäftigt sich mit den beiden vorhergenannten Themen in "Arthur Rhode und der Beginn des Ersten Weltkriegs im Süden der Provinz Posen". Rhode ist deshalb stets so stark vertreten, weil er sehr viel in jener Zeit zu Papier gebracht hat und damit als einer der wenigen Zeitzeugen und Chronisten gilt.

Angesichts der Mobilmachung 1914 titelte die Dortmunder Zeitung Tremonia "Mars regiert die Stunde". Dr. Martin Sprungala schildert darin den "Kriegsalltag 1914-1918 im Posener Land" anhand von Auszügen aus Schulchroniken der Kreise Bomst, Fraustadt und Schmiegel. Die beiden folgenden Beiträge beleuchten die beiden anderen polnischen Teilungsgebiete: "Der 1. Weltkrieg und das Leiden der deutschen Minderheit in Galizien" von Prof. Dr. Erich Müller und "Konstantynow - die Großeltern und der 1. Weltkrieg" von Armin Hirsekorn. Eine der Folgen des 1. Weltkriegs beschreibt Günther Raatz in "Die Posener Grenzschutzkämpfe 1918/20" am Beispiel seiner Heimatregion im Kreis Hohensalza. Auch der Bericht von Elfriede Eichelkraut "Der Marsch nach Lowitsch, im September 1939. Verschleppte aus dem Kreis Lipno" stellt eine weitere Folge des politisch-militärischen Ergebnisses des Krieges dar.

Harald Schäfer zeigt in seinem Artikel "Auf Posener Spuren im heutigen Berlin" auf, wie viele Spuren Posener Persönlichkeiten im Berliner Stadtbild hinterlassen haben - ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit, dazu ist die Posener Geschichte noch viel zu unvollständig erforscht.

Einen sehr traurigen Kapitel deutscher und posener Geschichte widmet sich Klaus Steinkamp in "Gertrud Kolmar - 1943 in Auschwitz umgebracht". Die aus Kolmar i. P. (Chodziez) stammende jüdische Schriftstellerin wurde - wie so viele - Opfer des brutalen Rassenwahns der Nationalsozialisten, deren Aufstieg zur Macht eine weitere bittere Folge des 1. Weltkriegs war.

"Das deutsch-polnische Verhältnis" in der Kaiserzeit beleuchtet Dr. Helmut Neubach in den Schilderungen "im Tagebuch des Reichstagspräsidenten Franz Graf von Ballestrem (1834-1910)". Seine wissenschaftliche Auswertung dieser Tagebücher steht kurz vor dem Abschluß. Eine ähnliche Bewertung aus dem österreichischen Teilungsgebiet liefert Artur Bachmann in "Die Lage der deutschen Volksgruppe in Galizien an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert".

Die folgenden Themen sind eher allgemeiner Natur und beziehen sich nicht direkt auf den 1. Weltkrieg. Edmund Mangelsdorf liefert ein weiteres Beispiel religiöser Vielfalt im Osten mit der Lebensbeschreibung von "Carl Welkisch - ein christlicher Mystiker aus dem Posener Land". Der zweite Beitrag von Prof. Dziergwa stellt eine Ausnahme im Jahrbuch dar, eine Rezension. Als Sprachwissenschaftler weiß er um die Bedeutung der Literatur über das gegenseitige Denken und er stellt das Buch von Kornelia Cwiklak vor, die einen Vergleich der deutschen und polnischen Literatur über das nach dem 1. Weltkrieg auch politisch nochmals zweigeteilte Oberschlesien verfaßt hat - in früheren Jahren wurde Ost-Oberschlesien auch von der LWW betreut. Ihr bekanntester Vertreter war der Bundessprecher Dr. Gustav Klusak, aus Österreichisch-Schlesien stammend.

Elfriede Eichelkraut vervollständigt ihre Darstellung vom über "Deutsche Lehrer im Dobriner Land" vorigen Jahrbuch um den Kreis Rypin. Auch Renate Sternel-Rutz vervollständigt ihre sachkundige biographische Darstellung von Posener Pastoren aus ihrer Familie. Nachdem sie im Jahrbuch 2011 ihren Vater "Superintendent Martin Rutz (1904-1970)" vorgestellt hat, folgt in diesem Jahr "Ein Lebensbild von Friedrich Rutz" - ihrem Großvater.

Da die Geschichte der jüdischen Mitbewohner der Deutschen aus den polnischen Teilungsgebieten oft zu kurz kommt, obwohl diese zumeist aus polnischer und russischer Sicht als Teil der deutschen Geschichte gesehen werden, griff Dr. Martin Sprungala eine Arbeit von Prof. Dr. Hubert Koufen auf, in der er das Schicksal seiner jüdischen Mitbewohner von einst aufzuklären suchte. In "Die tragische Geschichte der Fraustädter jüdischen Gemeinde" wird ihre schwierige Vergangenheit dargestellt, die immer schon die einer unerwünschten Gruppierung war und die bereits kurz nach der sog. Reichskristallnacht endete.

Aus der aktuellen Arbeit schildert Wilhelm Tappert die "Beziehungen der Landesgruppe der Landsmannschaft Weichsel-Warthe zu unserem polnischen Nachbarn". Er zeigt auf, daß die Deutschen aus den drei polnischen Teilungsgebieten aus ihrer schweren Geschichte gelernt haben und seit vielen Jahren die Freundschaft und Versöhnung mit ihren Nachbarn von einst suchen.

Einen indirekten Zusammenhang mit dem 1. Weltkrieg gibt es auch in der Darstellung "Die Zigarrenfabrikationen in Altkloster und Mauche" im Posener Kreis Bomst/ Wollstein, denn diese Betrieben mußten bei Kriegsausbruch ihre Tätigkeit einstellen, da das Personal für andere Arbeiten gebraucht wurde und der Anbau von Tabak dem von ertragreichen Lebensmitteln weichen mußte. Auch in diesem Jahr bildet die Geschichte von Margarete Schönfeldt "Die Erlebnisse eines Weihnachtsbaumes" sozusagen den Jahresabschluß dieses Jahrbuchs. Es folgen traditionell die Autorenkurzbiographien, die Anschriften der LWW-Organisationen und Einrichtungen sowie Schrifttumhinweise.

Das Jahrbuch 2015 ist - wie es auch seine Vorgänger stets waren - sehr vielschichtig und bietet eine Fülle von Beiträgen aus Geschichte und Kultur der Siedlungsgruppen. Es ist daher auch weiterhin für jeden Heimat- und Geschichtsinteressierten sehr empfehlenswert.

Der Bezugspreis beträgt für das Einzelexemplar 10,50 (europäisches Ausland und Übersee 13,50 ), bei Abnahme von 3-9 Exemplaren je 9 und von mehr als 10 Exemplaren je 8,45 . Verwenden Sie bitte den Überweisungsvordruck und überweisen Sie den Bezugspreis oder fordern Sie Exemplare bei der Landsmannschaft Weichsel-Warthe, Bundesverband e.V., 65185 Wiesbaden, Friedrichstr.35 III., Tel. 0611/379787 gegen Rechnung an.

Text: Dr. Martin Sprungala
Im Oktober 2014