Tagung des BdV-Landesverbandes in Wiesbaden

Solidarität mit den Flüchtlingen weltweit

Der hessische Landesverband des Bundes der Vertriebenen (BdV) traf sich zu Jahresbeginn im Haus der Heimat in Wiesbaden, um bei seiner traditionellen Organisationstagung mit Vertretern der hessischen Kreisverbände aktuelle verbandspolitische Themen sowie Finanzplanung, Bildungs-, Öffentlichkeits- und Kulturarbeit zu behandeln.

In seiner Grundsatzrede hob der Landesvorsitzende Siegbert Ortmann hervor, dass die derzeitigen Flüchtlingsprobleme des Landes Hessen auch die BdV-Kreisverbände tangieren. Besondere Aufgabe des Landesverbandes sei es, die Politik bei ihrem Handeln zu unterstützen. In diesem Zusammenhang verurteilte Ortmann die tschechische Haltung, keine syrischen Flüchtlinge aufnehmen zu wollen. Zwar sei die Flucht und Vertreibung der Deutschen nach 1945 nicht mit der heutigen Situation vergleichbar, doch die heutigen Flüchtlinge und Vertriebenen erlitten dasselbe Schicksal und bedürften so der Solidarität aller.

Ortmann ging auch auf die Situation der Bundesstiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" in Berlin ein. Dabei kritisierte er die nach seiner Meinung unfaire und sachlich völlig unbegründete Ablösung des Stiftungsdirektors Prof. Manfred Kittel. Der Bundessprecher und Vorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bernd Posselt, habe zurecht vom "Opfer einer einseitigen ideologischen Kampagne" gesprochen. Man sei Prof. Kittel für seinen jahrelangen überzeugenden Einsatz für eine wahrhaftige und europäische Dokumentation des Vertreibungsgeschehens zu großem Dank verpflichtet.

Zufrieden zeigte man sich darüber, dass in Hessen zwei Gedenktage für die Opfer von Flucht und Vertreibung eingeführt wurden: Der von der von der Bundesregierung beschlossene "Nationale Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung" am Weltflüchtlingstag (20. Juni) und der landesweite Gedenktag für die "Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation" am 2. Sonntag im September. In diesem Zusammenhang dankte der Landesvorsitzende der hessischen Staatskanzlei für die gemeinsame Ausrichtung des 1. Hessischen Gedenktages für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation und des zentralen Tages der Heimat mit Festredner Milan Horacek im Foyer des Hessischen Landtages, zu dem der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier, der Minister für Soziales und Integration Stefan Grüttner und der Vorsitzende des BdV-Landesverbandes Hessen eingeladen hatten.

Bereits im Vorfeld wies man auf dem in diesem Jahr statt findenden Hessentag in der oberhessischen Stadt Hofgeismar hin. Ein wesentlicher Bestandteil seit Beginn der Hessentage sei der "Tag der Vertriebenen" am 20. Mai mit einem großen Volkstumsnachmittag, an dem sich wieder zahlreiche Kultur treibende Gesangs- und Tanzgruppen beteiligen werden.

Vorstandsmitglied Manfred Hüber lobte die gute Zusammenarbeit des BdV-Landesverbandes Hessen mit den verschiedenen Landsmannschaften. Die "Marburger Beschlüsse" aus dem Jahre 1953 hätten damals schon den dafür erforderlichen Organisationsrahmen auch auf Bundesebene geschaffen.

Georg Stolle, stellvertretender Landesvorsitzender, ging auf die derzeitige Situation des Landesverbandes und der angegliederten Kreisverbände in Hessen ein. Dabei empfahl er den Teilnehmern eine "Handreichung" als Arbeitshilfe bei grundlegenden Veränderungen auf Orts- und Kreisebene, die vom Vorstandsmitglied Gerolf Fritsche erarbeitet wurde. Darin werden verbesserte Kommunikationswege, das Schaffen überschaubarer Strukturen in Zeiten sich abzeichnender organisatorischer Veränderungen und das verstärkte Nutzen des Internets aufgezeigt. Für die vereinsinterne Zeitung "Deutsche Umschau" plane man in Kürze neue Redaktionswege.

Kulturreferent Otmar Schmitz berichtete über die alljährlichen "Kulturellen Winter- und Sommertage" des hessischen Landesverbandes", die mit Themenvorträgen und Präsentationen regelmäßig ein anschauliches Bild der verschieden Heimatgebiete widerspiegeln. So werde in diesem Jahr das Thema "Kirche und Glauben im 21. Jahrhundert - ein "deutsch-polnischer Vergleich" mit Referenten aus Polen und Belgien behandelt. Die kulturellen Tage erfreuen sich steigender Resonanz. Schmitz dazu: "Die Dialoge und Anfragen ergeben neue Perspektiven und weiten den Horizont".

Als wichtige Aufgabe sehe der BdV-Landesverband die Berichte von Zeitzeugen der Vertreibung in den Schulen. Auch nach 70 Jahren sei dies erforderlich, um durch die Einbindung von Jugendlichen auf beiden Seiten Vertrauen zu schaffen und so die Schrecken der Vergangenheit gemeinsam zu bewältigen.

Als eine Brücke zu den östlichen Nachbarn bezeichnete Georg Stolle das Deutsch-Europäische Bildungswerk Hessen und kündigte für 2015 mehrtägige Fahrten im Mai, Juni und September mit Seminaren vor Ort nach Gliwice/Gleiwitz in Oberschlesien (Polen), Medias/Mediasch und Sibiu/Hermannstadt in Siebenbürgen (Rumänien) sowie nach Riga in Lettland an.

Die Wandergruppe der mittleren und jüngeren Generation der Sudetendeutschen Landsmannschaft Hessen lädt in diesem Jahr vom 25.Juli. bis 1.August zu einer Fahrt in die Region Zips (Slowakei) nach Pressburg, Leutschau und Iglau sowie zu einem Besuch der diesjährigen "Europäische Kulturhauptstadt" Pilsen (Tschechien) ein.

Text: Helmut Brandl
Im Februar 2015