Ministerpräsident lud Vertriebene in die hessische Staatskanzlei ein

Bund der Vertriebenen ist ernstzunehmender Gesprächspartner der Politik

Wiesbaden: Anfang dieser Woche hatte der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier rund 40 Vertreter der Vertriebenenverbände und Landsmannschaften aus Hessen zum traditionellen Neujahrsgespräch in die Staatskanzlei nach Wiesbaden eingeladen. Im Rahmen dieser zweistündigen Veranstaltung, an der auch Kultusminister Dr. Alexander Lorz und die Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler Margarete Ziegler-Raschdorf (Fulda) teilnahmen, galt es, in bewährter Weise an den gemeinsamen Gedankenaustausch der letzten Jahre anzuknüpfen und ihn auch im Jahr 2015 fortzuführen. Der Ministerpräsident machte bereits eingangs klar, dass ihm die Anliegen der Vertriebenen sehr wichtig seien und er sich deshalb besonders freue, mit seinen Gästen aktuelle kulturelle und gesellschaftliche Themen ihrer Verbände auszutauschen. Und dazu lieferte der Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen in Hessen, Siegbert Ortmann (Lauterbach), mit seinem anschließenden Statement auch genügend Stoff. Zunächst bedankte er sich aber bei dem heutigen hessischen Regierungschef, mit dem er früher über Jahre im Hessischen Landtag als Abgeordneter die "harte Oppositionsbank" gedrückt habe, für die freundliche Einladung und sah darin durchaus eine Bestätigung für den Bund der Vertriebenen und seine Landsmannschaften als ernstzunehmender Gesprächspartner für die Politik. Über die Arbeit des BdV-Hessen im vergangenen Jahr überreichte der Landesvorsitzende dem Ministerpräsidenten ein noch druckfrisches Exemplar des verbandsmäßigen Tätigkeitsberichts, der für die Öffentlichkeit Rechenschaft über die mit öffentlichen Geldern unterstützten Aktivitäten ablege, gleichzeitig aber auch um Sympathien in der Gesellschaft werbe. Ortmann sprach sich für die Beibehaltung des eigenen hessischen Gedenktages für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation aus und erhielt dazu vom Ministerpräsidenten auch prompt eine Zusage. Der stellv. BdV-Landesvorsitzende Georg Stolle (Bensheim) sprach das Streben nach Verständigung und Aussöhnung als Brückenbauer zu den östlichen Nachbarländern als wichtiges Standbein der Verbandsarbeit an und kündigte für dieses Jahr völkerverständigende Seminarreisen nach Polen, Rumänien und Lettland an. Hierzu wünschte er sich gerne sachkundige Begleitung von hessischen Regierungsvertretern, die dann sicherlich eine echte Bereicherung und Aufwertung dieser Völkerbegegnungen wäre. Der hessische BdV-Chef versäumte nicht, den Ministerpräsidenten gegenüber seine Bitte über Besuche der ehemaligen östlichen Vertreibungsregionen in offizieller Mission in Begleitung von Vertriebenenvertretern zu wiederholen, um so anschaulich die heimatlichen Wurzeln und die jeweilige Kulturgeschichte der ehemaligen deutschen Bewohner "vor Ort"zu erfahren. "Für ein solche Vorhaben bleibt nicht mehr viel Zeit, da es die Erlebnisgeneration der Vertreibung nach dem 2. Weltkrieg und damit authentische Zeitzeugen bald nicht mehr geben wird", prophezeite Ortmann.

Während der weiteren angeregten Diskussion meldeten sich zahlreiche Gäste mit sehr interessanten Beitragen zu Wort, unter ihnen für die Sudetendeutsche Landsmannschaft Reinfried Vogler (Kronberg) und Manfred Hüber (Wetzlar) sowie für die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland deren Landesvorsitzender Johann Thießen (Kassel). Der Kulturreferent des BdV-Hessen, Otmar Schmitz(Hallgarten) regte die Mitwirkung von Zeitzeugen der Vertreibung im Rahmen des Geschichtsunterrichts an hessischen Schulen an und erntete dazu vom Kultusminister auch ungeteilte Zustimmung. Frau Hannelore Neumann (Frankfurt) von der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen sprach sich sehr lobend über den permanenten Einsatz der Landesbeauftragten Ziegler-Raschdorf für die Belange der Vertriebenen in Hessen aus und bekam dafür breite Zustimmung im Saal.

Für Ministerpräsident Volker Bouffier stand am Schluss der Veranstaltung fest, dass es sicherlich nicht nur für ihn eine sehr lebhafte und interessante Gesprächsrunde war, die auch sein Wissen über die Aufgaben der Heimatvertriebenen und Spätaussiedler in der heutigen Zeit bereicherte. "Gehen Sie mutig an ihre Verbandsprobleme heran, ihr weiterer Einsatz für ihr Klientel muss eine Sache des Herzens sein", rief der hessische Regierungschef seinen Gästen abschließend zu.

Text: Siegbert Ortmann
Im Februar 2015