Karl Bauer wird 80 Jahre alt

Ehrensprecher der LM Weichsel-Warthe lebte für seine Landsleute

Am 16. August dieses Jahres feierte der stellvertretende Landesvorsitzende des BdV Hessen, Regierungsdirektor a.D. Karl Bauer, seinen 80. Geburtstag. Bauer blickt auf ein engagiertes wie auch bemerkenswertes Leben zurück, das genügend Inhalt für "vier Leben" bereit hält. Karl Bauers Werdegang ist prägender und lebendiger Teil der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Schon im Jahre 1950 gründete Bauer mehrere Jugendgruppen der Heimatvertriebenen in Eschwege und im Kreis und gehörte 1951 zu den Gründungsmitgliedern der "Deutschen Jugend des Ostens" (DJO), der heutigen "Deutschen Jugend in Europa". Vom Jugendgruppenleiter stieg Bauer danach von 1952 bis 1959 zum hauptamtlichen Geschäftsführer des Landesverbandes Hessen auf. Von 1962 bis 1970 war er deren Landesvorsitzender und von 1969 bis 1973 stellvertretender Bundesvorsitzender.

Eng verbunden mit der Arbeit in der DJO war seine Mitarbeit im Jugendring. Im Vorstand des Hessischen Jugendrings war er Vorsitzender des Ausschusses Jugendarbeit und 15 Jahre Mitglied im Finanzausschuss. Zwei Jahre gehörte er dem Hauptausschuss des Deutschen Bundesjugendringes und dem Deutschen Nationalkomitee für internationale Jugendarbeit an.

Im Bund der Vertriebenen (BdV) begann Bauer seine Tätigkeit im Jahre 1950 als Vorstandsmitglied des Kreisverbandes Eschwege. Von Beginn an war es sein Ziel, Vertriebenen- und Jugendarbeit zu vernetzen. Das gelang ihm, als er im Landesvorstand zum Landesjugendreferenten berufen wurde und seine Stelle von 1962 bis 1970 innehatte. Von 1953 bis 1970 war Bauer Mitglied im Landeskulturrat des Landesverbandes Hessen. Von 1956 bis 1961 wirkte er als Vorstandsmitglied und stellvertretender Vorsitzender des BdV-Kreisverbandes Wiesbaden.

Von 1970 bis 1986 und seit 2003 war Karl Bauer stellvertretender BdV-Landesvor-sitzender. Von 1996 bis 2010 versah er außerdem das Amt des Sprechers der Landsmannschaft Weichsel-Warthe und war in dieser Eigenschaft Mitglied im BdV-Bundesverband.

Karl Bauer vertritt den BdV bereits 15 Jahre in der Anstaltsversammlung der hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR), zu deren Gründungsmitgliedern er auch gehört. In der LPR findet sein Wirken im Programmausschuss ungeteilte Anerkennung.

Durch seine Schulzeit in Posen und die Ereignisse am Ende des Zweiten Weltkrieges sind ihm seine ostdeutschen Landsleute aus dem Posener Land, dem Lodzer Industriebezirk, Galizien und Wolhynien und die Verständigung mit Polen besonders wichtig.

Von 1953 bis 1961 war er für die Landsmannschaft Weichsel-Warthe (LWW) als Landesjugendreferent tätig. Es folgten zwei Jahre als Geschäftsführer des LWW-Landesverbandes Hessen. Seit 1996 wirkt er als ehrenamtlicher Bundesgeschäftsführer der Landsmannschaft Weichsel-Warthe, für die das Land Hessen im Jahre 1990 die Patenschaft übernahm. Die LWW ist auch in die Patenschaft des Landes Hessen mit der Wojewodschaft Wielkopolska (Großpolen/Posen) eingebunden.

Neben seiner Vielzahl anderer Ämter war Karl Bauer auch als Bundespressereferent, Schriftleiter der Monatsschrift "Weichsel-Warthe" und Redaktionsmitglied des "Jahrbuches Weichsel-Warthe" tätig. Seit 2010 versieht er das Amt des Ehrensprechers.

Der Erhaltung, Pflege und Weiterentwicklung des ostdeutschen Kultur- und Geisteserbes widmet sich Karl Bauer in besonderer Weise: er ist seit 15 Jahren Mitglied des Hessischen Landesbeirates für Vertriebenen-, Flüchtlings- und Spätaussiedlerfragen, einem Beratungsorgan der Hessischen Landesregierung. Von 1964 - 1966 gehörte er dem Beirat als stellvertretendes Mitglied für den BdV Hessen an und ab 1966 - 1977 als Mitglied. Seit 1996 hat er als Vertreter des Bundesverbandes der Landsmannschaft, Sitz und Stimme sowohl im Landesbeirat als auch im Kulturausschuss.

Der im Jahre 1980 eingeführte Schülerwettbewerb des Landes Hessen "Die Deutschen und ihre östlichen Nachbarn" und die im Freilichtmuseum Hessenpark befindliche Dauerausstellung über die Heimatvertriebenen in Hessen gehen auf seine Initiative zurück.

Der ideellen und finanziellen Förderung kultureller Projekte widmet sich Karl Bauer in zahlreichen Stiftungsräten, so als stellvertretender Vorsitzender in der "Stiftung Vertriebene in Hessen", als Vorsitzender des Stiftungsrates der "Stiftung Kulturwerk Wartheland" und als Mitglied im Stiftungskuratorium der Stiftung "Ostdeutscher Kulturrat" OKR in Bonn, die inzwischen in Stiftung "Deutsche Kultur im östlichen Europa OKR" umbenannt wurde. In der Berufung in den OKR sieht Bauer eine besondere Anerkennung seines Wirkens in der ostdeutschen Kulturarbeit.

In zahlreichen Begegnungen, Reden, Referaten und Veröffentlichungen tritt Karl Bauer aktiv für die Erhaltung des ostdeutschen Kulturerbes und die grenzüberschreitende Verständigung der Kultur- und Bildungsarbeit ein. 1992 hielt er einen viel beachteten Vortrag über das Wirken der Landsmannschaft Weichsel-Warthe vor Germanistik-studenten an der Universität Posen.

Besonders geehrt fühlt sich Bauer durch die Verleihung der Wenzel-Jaksch-Medaille im Jahre 2002. Jakschs Motto "Wir müssen dialogsfähig sein" ist ihm stets Ansporn. 2005 wurde Karl Bauer für sein jahrzehntelanges Engagement in der Jugend- und Vertriebenenarbeit mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Norbert Quaiser